Wahl-lose Sprüche
von Konrad Weiß
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Wählerwanderung
Manche verwechseln die Politik mit der Ehe und wählen immer die gleiche Partei, egal, wieviel Unsinn die verzapft.
Eine lebendige Demokratie braucht untreue Wähler.
Dumme Wähler
Natürlich gibt es dumme Wähler, das muß man doch sagen dürfen.Die Millionen Deutschen, die 1932 die NSDAP gewählt haben,
waren irregeleitet und dumm. Nicht anders jene, die heute noch immer den Lügen von gestern glauben und NPD oder PDS wählen.
Man kann sie ob ihrer Dummheit gar nicht laut genug beschimpfen.
Wahlplakate Grün
Die Wahlplakate der Grünen sind auch diesmal wieder so mickrig, daß man sie aus dem Auto heraus nicht lesen kann.
Sind Autofahrer keine Wähler?
Arbeit her
Arbeit haben sich alle Parteien auf die Fahnen geschrieben. Aber die fehlenden Arbeitsplätze wird keine schaffen,
das ist auch gar nicht Aufgabe einer Partei. Parteien sollen bei der politischen Willensbildung des Volkes mitwirken, mehr nicht.
Mit ihren leeren Versprechungen graben sie sich das Wasser ab und der Demokratie das Grab.
Kompetenzteam
Manche Kandidaten meinen, im Wahlkampf nicht auf ein Kompetenzteam verzichten zu können.
Sind sie sonst denn von Inkompetenz umgeben?
Linkspartei
Links, das ist keine Ideologie, sondern eine Haltung.
Es steht für Freiheit, Gleichheit und Solidarität, für die Achtung der Menschenrechte, für Demokratie.
Keine Partei hat das Recht, diese Bezeichnung zu okkupieren.
Nobelpreis
Der Wahlkampf treibt seltsame Blüten. Da schlägt ein Sozialdemokrat einen anderen für den Nobelpreis vor,
nur weil der etwas nicht gemacht hat, wofür er sowieso keine Mehrheit hatte.
Man kann es mit der Solidarität auch übertreiben.
Es sieht ja keiner
Als sie noch in Sack und Asche gingen, lockten sie ihre Wähler mit dem Slogan Es sieht ja keiner in die Wahlkabinen.
Heute reden die Neosozialisten den Leuten ein, die Bundestagswahl sei ein Referendum für oder gegen sie.
Was Demokratie ist, haben sie noch immer nicht begriffen.
Parolenklau
Manche bedienen sich, weil sie keine eigenen Ideen haben, bei den Parolen der anderen.
Und wundern sich, wenn sie mit denen verwechselt werden.
Ermächtigung
Bertold Brecht hatte nach dem Volksaufstand 1953 der DDR-Regierung empfohlen, das Volk aufzulösen und sich ein neues zu wählen.
Dem scheint nun der Bundeskanzler gefolgt zu sein. Noch ungestörter ließe sich regieren, schaffte man das Volk ganz ab.
Nichtwähler
Wählen ist das Vorrecht des Souveräns.
Wer sein Wahlrecht nicht wahrnimmt, macht sich zum Untertan.
Wahlprüfstein
Eine Partei sollte man nicht daran messen, was sie für die Zukunft verspricht, sondern an dem, was sie in der Vergangenheit eingehalten hat.
Das Programm vom letztenmal ist der beste Wahlprüfstein.
Wahlmoral
Wer seine Wähler ernst nimmt, belügt sie nicht und macht keine uneinlösbaren Versprechungen.
Es ist unanständig, unerfüllbare Hoffnungen zu wecken, nur um sich und der eigenen Partei Macht und Wohlstand zu sichern.
Wahlkampf
Man sollte den Wahlkampf nicht vor der Wahl führen, sondern danach - Tag für Tag, bis zur nächsten Wahl.
Kanzlermehrheit
Gesucht sind Kandidaten, denen das Herz nicht im Vierjahresrhythmus schlägt,
und die nicht an der Nadel von Wählergunst und Publikumsbeifall hängen.
Und die couragiert genug sind, dem eigenen Kanzler die Stimme zu verweigern.
Talkmaster
Noch lästiger als unfähige Politiker sind dumme Talkmaster, die mit unübersehbar moralischer Attitüde ihre politischen Gäste befragen
und sich für die besseren Politiker halten. Sie verderben einem regelmäßig den Sonntagabend.
Koalitionen
Je ähnlicher sich die Parteien werden, desto mehr betonen sie die Unterschiede.
Dennoch bleibt dem Wähler am Ende keine Alternative: Was er auch wählt, er wählt immer eine Koalition.
Majestätsbeleidigung
Natürlich gibt es dumme Wähler. Weil aber das Volk der Souverän ist,
wird auch die schüchternste Kritik an ihm sogleich als Majestätsbeleidigung aufgefaßt und getadelt.
Demokratie
Wie die Wahlen auch ausgehen, es ist keine Katastrophe.
Eine Katastrophe wäre es, könnten wir nicht mehr zur Wahl gehen.
© Konrad Weiß 2005-2010