aus Rezensionen zum Buch

Lothar Kreyssig
Prophet der Versöhnung

von Konrad Weiß


Deutschland Archiv

Konrad Weiß ist für eine Biographie zu danken, die - aus unmittelbarer Nähe heraus geschrieben und auf umfangreiche Aktenstudien und vielfältige Gespräche mit der Familie Kreyssig und Zeitgenossen gestützt - ein eindrucksvolles Bild der großen und schwierigen Persönlichkeit Lothar Kreyssigs zeichnet. Sie leistet einen wichtigen Beitrag nicht nur zur Kirchengeschichte, sondern auch zur Geschichte von Opposition und Widerstand gegen die totalitären Zumutungen in unserem Jahrhundert.

Peter Maser  in: Deutschland Archiv, Heft 2/1999, S. 327ff.




Norddeutscher Rundfunk

Ein faszinierendes Buch. Ein umfangreiches Buch. Ein inhaltsreiches Buch...

Rosemarie Wagner  NDR 2, Moment mal, 25. Oktober 1998




Das Parlament

Es ist gut, daß die Biographie von Lothar Kreyssig endlich vorliegt... Konrad Weiß schreibt sein Lebensbild aus persönlicher Nähe. Er hatte ihn 1964 beim ersten Einsatz der Aktion Sühnezeichen in Auschwitz kennengelernt. Damals wuchs die Einsicht: "Männer wie Lothar Kreyssig, die dem totalitären Anspruch der Macht tapfer widerstanden, haben unserem Volk einen unvergleichlichen Dienst erwiesen. Sie dürfen nicht vergessen sein." Wer das vorher nicht wußte, wird nach der Lektüre des Lebensberichtes diese Überzeugung teilen. In 18 Kapiteln werden die Wegstationen einer unruhigen, kämpferischen, vom Einsatz für Gerechtigkeit und Menschlichkeit geprägten Vita eindringlich und farbig geschildert...

Horst Dalhaus  in: Das Parlament, Nr. 49 vom 27. November 1998




Frankfurter Allgemeine Zeitung

So manches am männerbündischen Gestus, am patriarchalischen Stil des religiösen Eiferers Kreyssig ist nicht nur dem Biographen befremdlich, der zuweilen um die Balance zwischen persönlicher Loyalität und kritischer Perspektive ringt. Man ist dankbar für jeden Ansatz zur Distanz, aus der heraus sich erst die Bedeutung jenes "theologischen Freibeuters" klar abzeichnet. Sie liegt, neben seiner mutigen Haltung gegenüber totalitärer Staatsgewalt, in der risikofreudigen und temperamentvollen Unbeirrtheit, mit der Kreyssig einen bürokratischen Kirchenapparat in Bewegung zu bringen verstand. Denn nicht nur gegenüber dem Staat, auch innerkirchlich steuerte er stets den unbequemeren Kurs....

Sabine Fröhlich in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Juli 1998




Deutschlandfunk

Konrad Weiß hat für die Lebensbeschreibung Kreyssigs viel Material gehoben. Zeitzeugen wurden befragt. Ihre Aussagen runden das Bild einer eindrucksvollen Persönlichkeit ab. Das Buch ist eine außerordentlich sorgfältige Arbeit. Sein mit 464 Seiten beträchtlicher Umfang hätte wohl hier und da eine Einschränkung vertragen, ohne Schaden zu nehmen. Trotzdem ist es, wie man von diesem Autor erwarten darf, gut lesbar. Und es ist ein wichtiges Buch., In einer Zeit, in der immer wieder über einen Mangel an Vorbildern geklagt wird, kann die literarische Begegnung mit der kraftvollen, glaubwürdigen Gestalt Lothar Kreyssigs nur hilfreich sein.

Günter Müchler in: Deutschlandfunk, 31. August 1998




Zeitschrift für Rechtspolitik

Wer war dieser Mann, von dem der damalige Bundesjustizminister Engelhard 1983 in einer Glückwunschadresse schreibt, "der Richter Dr. Kreyssig hat den Bundesjustizminister der Justiz nicht unberührt gelassen"? In 18 Kapiteln zeichnet der Biograph (...) die Lebensstationen Kreyssigs nach, kann sich dabei auf eine unveröffentlichte Autobiographie und auf den ihm anvertrauten Nachlaß stützen, befragte Zeitzeugen und Weggefährten. (...)

Weite Teile dieses spannendenden Lebensberichts gehen diesen Spuren nach. Er zeigt als Ganzes das Bild eines Menschen mit strengen religiös-ethischen Grundsätzen, aus denen ihm nicht zuletzt Mut und Zivilcourage erwuchsen. In der Justiz des Dritten Reiches gehörte er damit zu den ganz Wenigen mit diesen Eigenschaften.

Joachim Rott, Bonn: Zeitschrift für Rechtspolitik, Heft 7, 1999, S. 303




Berliner Morgenpost

Der Autor legt ein leider wenig bekanntes Kapitel über den Zusammenhang des Widerstands im Nationalsozialismus und Realsozialismus frei und macht damit auch eine fast völlig unbekannte Tradition der späteren DDR-Opposition sichtbar. Seine aufregende Traditionssuche verfällt dabei keineswegs in plumpe Lobhudelei des Widerstands im Nationalsozialismus und der DDR...

Martin Jander in: Berliner Morgenpost, 7. Juni 1998




Die neue Gesellschaft (Frankfurter Hefte)

In der DDR, so der Standpunkt der herrschenden SED, habe niemand um Vergebung zu bitten, der Wandel in diesem Teil Deutschlands sei mit dem Bekenntnis zum Sozialismus vollzogen. Man lese dagegen die interessanten und bewegenden Schilderungen über die zumindest phasenweise mögliche Arbeit in Auschwitz oder Majdanek, an denen auch der junge Konrad Weiß teilgenommen hat. Dadurch und nicht durch tönerne Erklärungen rückten Deutsche und Polen einander näher. Konrad Weiß schildert uns die Konflikte innerhalb der Aktion Sühnezeichen, den Weg ihrer Spaltung in eine west- und ostdeutsche Organisation und Lothar Kreyssig als Wanderer zwischen den Welten...

Wolfgang Thierse in: Die Neue Gesellschaft (Frankfurter Hefte), Dezember 1998




Reformierte Presse (Schweiz)

Kreyssig... erlangte seine europäische Ausstrahlung vor allem durch seine ökumenische Diakonie in Form der Gründung einer Aktionsgemeinschaft für die Hungernden (1957) und der Aktion Sühnezeichen (1958). Heute kann er mit Recht als einer der Väter der Friedensbewegung gelten. Konrad Weiss... hat das Leben dieses Mannes vielfarbig nachgezeichnet. Er konnte sich dabei auf eine unveröffentlichte Autobiographie, einen großen Teil des Nachlasses sowie zahlreiche Dokumente in Archiven stützen... Der Autor hat aus einer persönlichen Betroffenheit heraus von seinem geistigen Mentor ein faszinierendes Lebensbild gezeichnet, das die Lesenden nicht nur mit historischen Reminiszenzen bereichert, sondern ebenso zur Frage nach der eigenen Verantwortung anregt.

J.Jürgen Seidel in: Reformierte Presse - facultativ, 30. Oktober 1998




Magdeburger Volksstimme

Ein Bestseller wird Konrad Weiß' Biographie von Lothar Kreyssig kaum werden, nicht weil das Buch nicht gut wäre, im Gegenteil. Es ist die gerechte Würdigung eines unbequemen Mannes, der unzerstörbar Sinnvolles schuf. 1998 redet keiner in unserem Land von "deutscher Schuld" wie Kreyssig, höchstens von Schulden. Doch Schuld und Sühne bleiben ein deutsches Thema...

Wolf-Dieter Wuttke in: Magdeburger Volksstimme, 25. April 1998




Evangelische Kommentare

Kreyssig - das herausgearbeitet zu haben ist das eigentliche Verdienst dieser Biographie über das bloß Biographische hinaus - ist eine exemplarische Gestalt der jüngsten deutschen, vor allem kirchlichen Zeitgeschichte, die die gängigen Muster kirchlicher Leitung durch das hartnäckige Fragen nach den "Zeichen der Zeit" und dem eigentlichen Auftrag der Kirche immer wieder herausgefordert hat.

Jochen Garstecki in: Evangelische Kommentare, Heft 3/1999