Cover Lothar Kreyssig

Konrad Weiß

    LOTHAR KREYSSIG
    Prophet der Versöhnung

    Bleicher Verlag
    Gerlingen, 1998

    464 S., Abb.
    ISBN 3-88350-659-1

Über dieses Buch

Als im April 1958 auf der Spandauer Synode über die Haltung der Evangelischen Kirche zur Atombewaffnung der Bundeswehr entschieden wurde, rief Lothar Kreyssig zur Gründung der Aktion Sühnezeichen auf. Junge Deutsche sollten in die ehemaligen Feindländer und nach Israel gehen, um dort um Vergebung und Frieden zu bitten und durch ihre praktische Arbeit ein Zeichen der Versöhnung zu setzen. Aus der anfangs utopisch erscheinenden Idee wurde ein Dienst, der bis heute lebendig ist und tausende junge Deutsche geprägt hat.

Lothar Kreyssig, 1898 in Flöha in Sachsen geboren und 1986 gestorben, hat in seinem Leben radikale Umbrüche gewagt: Aus dem Corpsstudenten und national gesonnenen Verächter der Demokratie wurde ein leidenschaftlicher Demokrat. Aus dem gleichgültigen Kirchensteuerzahler wurde ein Christ, der konsequent aus dem Wort der Bibel lebte, einer der mutigsten in der Bekennenden Kirche. Als einziger deutscher Richter prangerte er die Euthanasiemorde der Nationalsozialisten an und erstattete Anzeige gegen den Reichsleiter der SS, der mit der Mordaktion beauftragt war. Schon bevor er aus dem Richteramt entfernt wurde, hatte er als Bauer in der Mark Brandenburg ökologisch zu wirtschaften begonnen.

Nach dem Krieg wagte Lothar Kreyssig wiederum einen Neuanfang: Als Konsistorialpräsident und Präses half er beim Wiederaufbau der evangelischen Kirche in der sowjetischen Besatzungszone, dann in der DDR. Viele gesamtdeutsche kirchliche Einrichtungen und Initiativen sind durch ihn begründet oder geprägt worden, zum Beispiel die Evangelischen Akademien und der Evangelischer Kirchentag. Frühzeitig praktizierte er ökumenische Weite und bezog dabei das Judentum ein. Er war von charismatischer Kraft und hatte die Gabe, Menschen für das Gute zu ermutigen und zu begeistern.

Die Biographie zeichnet die sehr unterschiedlichen Lebensstationen Lothar Kreyssigs nach und versucht, die Beweggründe für seine radikalen Wandlungen zu ergründen. Sie stützt sich dabei auf eine unveröffentlichte Autobiographie, auf zahlreiche Briefe und Dokumente. Erstmals werden auch literarische Texte Lothar Kreyssig publiziert. Darüber hinaus kommen Freunde und Weggefährten aus allen Lebensabschnitten zu Wort, die durch sehr persönliche Erinnerungen das Porträt dieses außergewöhnlichen Mannes ergänzen.


Eine ausführliche Biographie siehe:
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon